Häufige Fragen

In dieser Rubrik finden Sie Antworten auf Fragen, die einem Notar regelmäßig gestellt werden.

  1. 1. Der Verkäufer hat schon einen Notar beauftragt. Muss ich ebenfalls zu diesem oder habe ich das Recht meinen Notar hinzu zu ziehen? Bringt das Mehrkosten mit sich?

    Jede Partei hat das Recht, ihren eigenen Notar zu bezeichnen. Wenn z.B. der Verkäufer seinen Notar bezeichnet hat, dürfen Sie als Ankäufer ebenfalls Ihren Notar bezeichnen. Wenn jede Partei ihren eigenen Notar hat, hat dies keineswegs die Erhöhung der Honorare zur Folge, denn die Notare teilen sich das Honorar.

    Das Gesetz garantiert jeder Person eine vollständige Freiheit bei der Wahl des Notars, ohne Mehrkosten bei den Honoraren. Die einzige Ausnahme zu diesem Grundsatz sind öffentliche Verkäufe, die von Gericht angeordnet wurden. Es ist dem Notar darüber hinaus verboten, die freie Wahl der Parteien zu beeinflussen oder einen Dritten direkt oder indirekt zu vergüten, um mit einer Urkunde beauftragt zu werden.

  2. 2. Ich habe meinen Notar mit einer bestimmten Angelegenheit beauftragt. Wie lange dauern die Vorbereitungen und wann kann ich unterschreiben?

    Die Vorbereitungsfrist ist abhängig von der Art des Aktes, die beurkundet werden soll, da die gesetzlich vorgeschriebene Vorarbeit (die sogenannten „gesetzlichen Recherchen“) für jede Aktenart verschieden sind. Für eine Immobilienübertragung z.B. muss der Notar eine Reihe von Verwaltungen (Katasteramt, Hypothekenamt, Steueramt, Gemeinde usw.) befragen. Jede Verwaltung hat gesetzliche Fristen, in der sie dem Notar antworten muss. Die Urkunde kann erst unterschrieben werden, wenn die Verwaltungen geantwortet haben, bzw. die Frist für die Antwort erloschen ist. Die Vorbereitung dieser Art Urkunden braucht also mehr Zeit als Urkunden, deren Vorbereitung es allein der Redaktionsarbeit des Notars bedarf.

    Unter der Voraussetzung, dass wir sämtliche Fakten Ihrerseits erhalten, und unter Vorbehalt von Komplikationen und Ausnahmen, sind die Minimumfristen, die wir für die Vorbereitung Ihrer Angelegenheit brauchen, folgende:

    • Unterzeichnung eines Kaufvorvertrages : 1-2 Tage falls es sich um ein Haus handelt, 15 Tage bei einer Wohnung (da in diesem Fall der Gebäudeverwalter befragt werden muss, und dieser über 15 Tage verfügt, um seine Informationen zu senden).
    • Notarielle Verkaufsurkunde: cirka 6 Wochen nach Unterzeichnung des Kaufvorvertrages.
    • Ehevertrag (ohne Immobilieneinlage) : direkt bei dem ersten Gespräch oder am darauf folgenden Tag.
    • Gründung einer Gesellschaft : 1-2 Tage.
    • Geldschenkung oder Schenkung von anderen beweglichen Gütern : 1-2 Tage.
    • Immobilienschenkung, Immobilienteilung, Hypothek, Einlage einer Immobilie in den Güterstand oder Nießbrauch: cirka 6 Wochen.
  3. 3. Ich möchte eine Wohnung im Inland oder der Küste verkaufen (oder kaufen) und würde gerne meinen deutschsprachigen Notar in Belgien (Ostbelgien) damit beauftragen. Darf mein Notar mir helfen, selbst wenn die Immobilie nicht in seimem Ressort liegt?

    Ja. Jeder belgische Notar kann Immobilienübertragungen tätigen, ganz gleich wo sich die Immobilien in Belgien befinden. Die Unterschrift an sich des Notars muss jedoch in seinem Zuständigkeitsbereich erfolgen. Das heißt konkret, dass ein Notar sich nicht ausserhalb seines Ressorts begeben darf, um dort ohne Mitwirkung eines anderen Notars eine Urkunde zu unterzeichnen. Er kann diese Urkunde jedoch in seiner Amtsstube in Ostbelgien unterzeichnen oder als 2. Notar bei einem Notar mitwirken, in dessen Zuständigkeitsbereich die Immobilie fällt (ohne dass die eine oder andere Situation Mehrkosten für den Kunden mit sich bringt).

  4. 4. Ist der freiwillige öffentliche Verkauf einer Immobilie interessant ?

    Wenn Sie Ihre Immobilie verkaufen wollen, bieten sich Ihnen prinzipiell 2 Möglichkeiten:

    A. Verkauf « unter der Hand »

    Wenn Sie sich für einen Verkauf unter der Hand entscheiden, können Sie entweder selbst einen Käufer suchen oder einen Professionellen (Immobilienmakler oder Notar) mit der Käufersuche beauftragen. Wenn der Professionelle einen Käufer findet, wird er für seine Arbeit belohnt mittels Zahlung einer Verkaufskommission, die im Allgemeinen bei der Unterzeichnung der notariellen Verkaufsurkunde zu entrichten ist.

    B. Freiwilliger öffentlicher Verkauf

    Im Gegensatz zu einer allgemein verbreiteten Meinung bedeutet öffentlicher Verkauf nicht automatisch, dass der Verkäufer verschuldet ist und dass seine Immobilie zwangsverpfändet wird.
    Der öffentliche Verkauf kann vollkommen freiwillig erfolgen, einfach nur weil der Verkäufer der Meinung ist, bei einem öffentlichen Verkauf einen höheren Preis erzielen zu können als bei einem Verkauf unter der Hand, oder er versucht nur einfach einmal sein Glück.

    Der freiwillige öffentliche Verkauf hat u.a. folgende Vorteile:

    • Schnelligkeit: Die Verkaufssitzung wird innerhalb einer kurzen Frist festgesetzt (6 bis 8 Wochen). Zu diesem Termin werden alle Personen, die Interesse an Ihrer Immobilie haben, anwesend sein und ihre Angebote abgeben. Wenn der Verkäufer das höchste Angebot akzeptiert, dann ist das Verfahren automatisch schneller als bei einem Verkauf unter der Hand.
    • Wegfall der Verkaufskommission: Die Verkaufskommission, die dem Immobilienmakler (oder dem Notar) gezahlt werden muss bei einem Verkauf unter der Hand, entfällt im Falle eines öffentlichen Verkaufes.
    • Flexibilität: Sollten bei der Versteigerung die Angebote nicht hoch genug sein, so kann der Verkäufer zu jeder Zeit bestimmen, dass der Notar die Immobilie nicht zuschlägt. In diesem Fall wird die Immobilie vom Verkauf zurückgezogen und der Verkauf findet nicht statt. Im Rahmen eines öffentlichen freiwilligen Verkaufes ist der Verkäufer somit zu keinem Moment gezwungen zu verkaufen.

    Die eventuellen Nachteile eines öffentlichen freiwilligen Verkaufes sind:

    • Zu niedrige Angebote: Für einen öffentlichen Verkauf sind gewisse Immobilien weniger gut geeignet als andere – in diesem Fall werden die Angebote unter den Erwartungen liegen.
    • Kosten, wenn der Verkäufer von einem Verkauf absieht: wenn die Angebote unter den Preiserwartungen des Verkäufers bleiben und der Verkäufer beschließt, den Notar anzuweisen, die Immobilien nicht zuzuschlagen, findet kein Verkauf statt. Die entstandenen Kosten (Werbung, Lastenheft, …) müssen jedoch durch den Verkäufer bezahlt werden.
  5. 5. Ist mein Notar teurer oder billiger als ein anderer Notar?

    Der Notar erfüllt eine öffentliche Aufgabe und das Honorar der tarifierten Akten wird durch einen Königlichen Erlass bestimmt. Es ist dem Notar verboten, ein höheres Honorar zu verlangen, als das im Königlichen Erlass festgelegte, so wie es ihm auch verboten ist, ein geringeres Honorar zu verlangen. Das heißt mit anderen Worten, dass das Honorar für tarifierte Akten bei allen belgischen Notaren das Gleiche ist.

  6. 6. Was beinhaltet die Kostenaufstellung des Notars für eine bestimmte Urkunde?

    Die Kostenaufstellung (Provisionsanfrage) eines Notars muss mindestens folgende Punkte getrennt aufführen:

    • Registrierungsgebühren : Es handelt sich um die durch den Staat eingeforderte Steuer (in diesem Fall die Region), deren Satz von der beabsichtigten Transaktion abhängt, z.B. 12,5% im Falle eines Verkaufes (außer im Falle der gesetzlich vorgesehen Ermäßigungen), 50 € für einen Ehevertrag, 1% für Immobilienteilungen, usw.
    • Diverse Kosten: Dieser Posten umfasst mehrere Unterposten : Kosten der durch die Verwaltungen erteilten Auskünfte auf die durch das Gesetz vorgeschriebenen Anfragen des Notars ; Kosten der durch das Hypothekenamt ausgeführten Arbeit, Dossierkosten, Schreibgebühr (d.h. Steuer in Höhe von 7,5€, 50€ oder 95€ abhängig von der Art der Urkunde).
    • Das Honorar des Notars: Die tarifierten Leistungen des Notars werden durch einen Königlichen Beschluss bestimmt.
    • Mehrwertsteuer (MwSt): Wird auf das Honorar des Notars und gewisse Unterposten der diversen Kosten berechnet.
  7. 7. Wenn die andere Partei bereits einen Notar hat, wäre es dann nicht besser, wenn ich einen anderen Notar beauftrage, damit meine Interessen ebenfalls vertreten werden?

    Im Gegensatz zum Rechtsanwalt, der - außer in Ausnahmefällen - nur die Interessen einer der Parteien vertritt, unterliegt der Notar der gesetzlichen Pflicht der Unparteilichkeit: Er muss beide Parteien unabhängig und gerecht beraten. Wenn Sie es wünschen, können Sie somit den gleichen Notar bestimmen wie Ihr Vertragspartner, ohne Bedenken haben zu müssen, dass der Notar die Interessen Ihres Vertragspartners besser vertritt als die Ihren.